Die Hormonfalle
Ich will zunächst einmal ein par Fakten in den Raum werfen:
1. Sex macht Spaß
2. Sex beruhigt
3. Sex macht Glücklich
4. Sex ist was intimes
Stimmen Sie mir dabei zu? Ich gehe davon aus.
Vielleicht stimmen Sie mir zu, aber sind Sie sich auch bewusst, warum dies so ist? Wahrscheinlich nicht so genau. Aber ich möchte es Ihnen erklären.
Ob ein Mensch Glücklich ist oder nicht hängt sein seinem Hormonhaushalt ab.
„Ist doch Quatsch. Ob ein Mensch Glücklich ist oder nicht hängt von seiner Situation und von seinen Erlebnissen ab.“
Da gebe ich Ihnen auch Recht. Bestimmte Erlebnisse und Situationen nehmen massiven Einfluss auf den Hormonhaushalt und dieser wiederum Einfluss auf die Bewertung verschiedener Ereignisse. Wie Sie sehen kann so was ein ganz schöner Teufelskreis werden aus dem man nicht so leicht wieder heraus kommt.
Es gibt drei Hormongruppen, die unsern Körper am stärksten, fast ausgeblich, beeinflussen.
Die Gruppen der Stress-, Glücks- und Sexualhormone.
Stress- und Glückshormone kennen Sie alle. Adrenalin, was eben in Stresssituationen ausgeschüttet wird um den Körper Höchstleistungen abzuverlangen. Sie werden ausgeschüttet, wenn der Mensch Angst hat, Angespannt ist oder allgemein mit der Situation überfordert ist. Jeder Mensch schüttet mindestens einmal am Tag Adrenalin aus. Meistens wesentlich häufiger.
Doch wissen Sie auch wie Adrenalin umgesetzt wird?
Durch körperliche Leistung, wozu das Adrenalin eigentlich auch anregen soll. In hoher Dosierung können wir uns kaum gegen den Drang wehren. Das kennen Sie alle als das Zittern nach einem großen Schreck oder vor einem Referat. Aber kaum noch ein Mensch setzt Adrenalin gezielt um. Es wird einfach ignoriert. Es bleibt im Körper und wird nicht und schadet uns. Das merken wir erstmal nicht.
Als nächstes schauen wir uns die Sexualhormone an. Wohl die nervigste aller Hormongruppen. Sexualhormone werden unabhängig von Ereignissen und Stimmungen ausgeschüttet. Es soll eine ständige Bereitschaft zur Fortpflanzung, also zum Sex, sicherstellen.
Hier haben wir gewaltige Unterschiede bei der Hormonproduktion zwischen Frauen und Männern.
Der Mann schüttet unabhängig von Tages-, Monats- oder Jahreszeit ständig Sexualhormone aus. Dies hat einen einfachen Grund: Der Mann ist ständig Fähig zur Fortpflanzung. Vor Jahrtausenden hatte ein Mann stets die Aufgabe mehrere Frauen zu schwängern um das Fortbestehen des Stammes zu sichern. Es gab damals einfach viel mehr Frauen als Männer. Männer starben häufig bei Machtkämpfen oder bei der Jagt. So brauchte der Mann einfach einen stärkeren Sexualtrieb, um den Überschuss an Frauen gerecht werden zu können.
Heute ist dies nicht mehr wie früher. Die Anzahl an Männern und Frauen ist nahezu ausgeglichen, der höhere Sexualtrieb des Mannen unbrauchbar geworden. Aber es ist ein nicht entfernbares Überbleibsel unserer Vergangenheit.
Und jetzt raten Sie mal, wie Sexualhormone umgesetzt werden. Richtig. Mit sexuellem Kontakt. Im besten Fall bräuchte ein Mann jeden Tag Sex, im guten Fall reichen dreimal die Woche.
Aber warum haben Frauen einen geringeren Sexualtrieb?
Aus demselben und einem weiteren Grund. Es gab viel mehr Frauen als Männer. Also musste sich der Sexualtrieb vieler Frauen auf einen Mann einstellen. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass die Frau nur ein par Tage im Monat fruchtbar ist. Zu dieser Zeit hält das Kleinhirn (welches der Schilddrüse die Informationen zur Hormonproduktion gibt) Sex für Sinnvoll. Außerhalb diesen Zeitraums für überflüssig, da sie ja ruhen soll um die Schwangerschaft nicht zu gefährden.
Also was sieht die Vergangenheit, unser Kleinhirn, vor? Das ein Mann mit vielen Frauen Sex hat.
Der Fehler ist leicht zu finden. Oder?
Wir haben heute eine ausgeglichene Anzahl von Männern und Frauen.. Außerdem haben wir die Monogamie erfunden.
Ich erlaube mir die persönliche Wertung, dass ich diese Entwicklung sehr positiv und Sinnvoll finde.
Es gibt jedoch einen Weg unser Hormonproblem mit der modernen Lebenseinstellung, also der Monogamie, zu lösen. Darauf gehe ich jedoch erst gleich ein. Uns fehlen nämlich noch die Glückshormone.
Wann werden diese nun ausgeschüttet und was bewirken sie?
Sie sorgen dafür, dass wir Glücklich sind. Das wir Situationen optimistischer betrachten können. Das wir ausgeglichener sind.
Und wann werden sie ausgeschüttet?
Sie werden dann ausgeschüttet, wenn wir die beiden andern Hormongruppen erfolgreich umgesetzt haben. Die höchste Konzentration an Glückshormonen haben wir nach dem Sport und nach dem Sex. Es ist quasi eine Belohnung vom Kleinhirn an das Großhirn.
Kleinhirn:“ Gut gemacht Großhirn. Du hast alles an Stress- und Sexualhormonen sinnvoll umgesetzt. Jetzt gibt’s einen guten Schuss Glückshormone zum entspannen und zufrieden sein, auf dass du es weiter so gut machst.“
Was sagt uns das? Viel Sport und viel Sex lohnen sich.
„Viel Sport ist gesund. Das stimmt. Aber viel Sex? Irgendwann ist doch mal genug!“
So was werde ich fast ausschließlich von Frauen hören. Sie wissen mittlerweile warum. Frauen haben einen geringeren Trieb. Aber ich bitte Sie jetzt einmal nicht egoistisch zu denken. Ich weiß, dass das schwer ist.
Sie wissen jetzt, dass ihr Mann gerne oft Sex hat und ihm dies auch gut tut. Es macht ihn Glücklicher, Optimistischer und Ausgeglichener.
Und Sie wissen, dass es Ihnen das gleiche bringt und Ihnen der Sex im Endeffekt auch Spaß macht.
Ihr Mann wird Sie wohl nie energisch um mehr Sex bitten. Davor hat er zu viel „Angst“. Aber bedenken Sie wie viele Kompromisse Ihr Mann für Sie eingeht, damit es Ihnen gut geht. Warum geben Sie ihm zur Liebe nicht mehr Sex?
„Aber man kann die Beziehung doch nicht auf Sex reduzieren!“
Das tut man damit ja auch nicht. Wenn Ihr Mann genug Glückshormone ausschüttet, wird das Liebesgefühl noch stärker. Sex ist keine Reduktion der Beziehung, sondern ein natürliches Bindemittel, eine große Säule der Beziehung, welche beiden Seiten Spaß macht. Also geben Sie sich einen Ruck und haben mit Ihrem Mann öfter das, was er braucht und Ihnen selbst auch nur gut tut und Spaß macht. Er wird es Ihnen mit seiner guten Laune danken.
Und motivieren Sie sich und Ihren Mann zu mehr Sport. Aber das ist ein anderes Thema.
Vertrauter Sex
Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, rede ich bis jetzt nur über Männer und Frauen, die in einer Liebesbeziehung zueinander stehen. Bei solchen ist eine Lösung des bestehenden Problems ja ein Kinderspiel.
Doch was ist mit den Männern und Frauen, welche nicht in einer Beziehung sind? Diese nehmen immerhin einen großen Teil der Bevölkerung ein. Haben die überhaupt die Möglichkeit ihre Sexualhormone gezielt umzusetzen?
Nach unseren heutigen Moralvorstellungen nicht!
Also sind Menschen ohne Beziehung gestraft ihren Hormonüberschuss zu ertragen.
Und warum müssen sie das? Weil die Moralvorstellungen uns sagen, dass man Sex nur in Verbindung mit Liebe haben darf, also nur in einer Beziehung.
Schauen wir mal auf die Jugend. 6-8 Beziehungen innerhalb von 2 Jahren sind keine Seltenheit. Und warum ist das so? Weil jeder gerne Sex hätte, aber die Gesellschaft eine Beziehung dafür fordert. Die logische Schlussfolge ist, dass Menschen, nachdem sie sich 2 Tage kennen, eine Beziehung miteinander eingehen um Sex haben zu dürfen. Und so schnell wie die Beziehung begonnen hat, so schnell ist sie auch wieder vorbei.
Wie kann man also eine Lösung finden, in der Beziehungen wieder ernster genommen werden und man trotzdem zu Sex kommt?
Die Lösung ist einfacher als vielleicht angenommen. Man muss die Vorstellung, dass man für Sex Liebe benötigt ablegen. Sie ist nämlich Kontraproduktiv wie wir sehen.
„Es kann aber doch nicht jeder mit jedem wie er gerade will!“
Stimmt. Se extrem wäre es auch Kontraproduktiv.
Finden wir doch einfach einen Kompromiss. Wie wäre es, wenn wir die Liebe durch Vertrauen ergänzen? Somit bräuchte man keine Liebe mehr für Sex, sondern lediglich Vertrauen zu dieser Person. Somit könnte man Sex unter Singles im Freundeskreis „legalisieren“. Die Holländer machen es uns ansatzweise vor. Ich möchte ein persönliches Erlebnis schildern:
Als ich für ein par Tage in Holland war und auch viel mit Holländern zutun hatte, kam irgendwann das Thema Sex in den Raum. Für die Tatsache, dass ich eine beste Freundin habe, aber noch Jungfrau bin wurde ich ausgelacht und habe höchstes Unverständnis geerntet. In Holland sei es weit verbreitet mit guten Freunden, denen man vertraut, Sex zu haben und wird auch als Selbstverständlich angesehen.
Was haben die Holländer davon?
Eine wesentlich geringere Scheidungsrate, weil sie Beziehungen ernster nehmen.
Mit Leuten denen man vertraut, also mit Freunden, macht Sex auch Spaß, weil beide aufeinander eingehen und darauf achten, dass es dem Gegenüber gut gefällt. Man fühlt sich nicht ausgenutzt. Man fühlt sich geborgen, geachtet und gemocht.
Ganz im Gegensatz zu One Night Stands, wo es immer ein gewisses Konkurrenzverhalten gibt. Man muss besser sein, als alle andern. Man muss es der Frau so richtig besorgen. Man muss der König unter den Männern sein. Oder man wird einfach nur schamlos ausgenutzt. Auf beiden Seiten.
Sex kann jedem helfen. Es bewirkt, dass man Probleme weniger aussichtslos sieht.
Sex mit Freunden ist kein sinnloses rein und raus. Sex mit Freunden ist Geborgenheit, Spaß und Befriedigung. Damit lindert man Probleme. Verbal sowieso Biologisch. Versuchen Sie es. Nach dem Sex kann man klarer und optimistischer über Probleme reden. Ihr Freund oder Partner wird sie nicht ablehnen, wie bspw ein Unbekannter, den nur Ihr Körper interessiert und sonst nichts.
Sex hat eine Wirkung, von der sich viele nicht bewusst sind.
Und jetzt lassen Sie noch mal revue passieren:
- Mehr Sex in einer Beziehung ist keine Reduktion dieser.
- Nach dem Sex fühlen sie sich wohl.
- Sex macht Ihnen Spaß.
- Die zwanghafte Liebe zum Sex verfälscht die Beziehungsbereitschaft.
- Sex mit vertrauten Freunden ist moralisch vertretbar
Könnten Sie sich vorstellen, dass sich unsere Moralvorstellungen dementsprechend anpassen?
Könnten Sie sich vorstellen, Ihre persönliche Einstellung zu erweitern?
Es würde die Menschheit freuen und ihr helfen.
Schlagworte: Hormone, Moralvorstellungen, Sex, Sexualität